Noch eine Testschleife. Und noch eine. Nur zur Sicherheit.
Kennst du das? Das Ergebnis ist eigentlich gut genug. Alle wissen es. Aber keiner traut sich, den Knopf zu drücken. Denn wenn danach etwas schiefgeht, steht ja die Frage im Raum: Wer war das?
Genau da beginnt für mich die eigentliche Fehlerkultur. Nicht in der Retro danach — sondern in dem Moment davor.
Perfektion ist oft nur Angst in schickem Gewand
Wir sagen „Qualitätsanspruch" und meinen manchmal etwas ganz anderes: Absicherung. Wer endlos testet, schützt nicht das Produkt, sondern sich selbst.
Und das ist wahnsinnig menschlich. Niemand möchte derjenige sein, dessen Fehler im Weekly auf der Folie landet.
Aber der Preis ist hoch: Wir lernen nichts, solange etwas nur in unserem Kopf oder auf unserem Testsystem existiert. Echtes Feedback gibt es erst draußen. Bei echten Menschen.
Klein, sichtbar, korrigierbar
Mut zum Bug heißt für mich nicht, schlampig zu arbeiten. Der Anspruch bleibt hoch. Es heißt:
- Klein starten. Lieber ein überschaubarer Schritt, der live geht, als ein großer Wurf, der nie fertig wird.
- Sichtbar machen. Wer einen Fehler findet, meldet ihn — und bekommt dafür ein Danke, keinen Spruch.
- Schnell korrigieren. Ein kleiner Bug, der in einem Tag behoben ist, schadet weniger als drei Wochen Stillstand.
Die Schuldfrage blockiert
Der größte Bremsklotz ist dabei selten die Technik. Es ist die Frage nach der Schuld.
Solange ein Fehler zuerst zu einer Person führt, wird jede und jeder im Team lieber noch eine Runde drehen. Wenn er stattdessen zu einer Frage führt — Was lernen wir daraus? —, wird aus Angst Neugier.
Die Geschwindigkeit des Lernens muss höher sein als die Angst vor dem Scheitern.
Und diese Haltung beginnt bei uns als Führungskräften. Bei der Frage, wie wir reagieren, wenn es wirklich mal schiefgeht.
Und du?
Wo in deinem Alltag testest du gerade „nur noch einmal" — obwohl es eigentlich längst gut genug ist?