Verletzlichkeit im Leadership ist essenziell — aber sie ist kein Freifahrtschein für emotionales Übergepäck.
Wir lesen überall, dass wir als Leader „authentisch" sein sollen. Brené Brown fordert in Dare to Lead völlig zu Recht Mut zur Verletzlichkeit.
Aber mal ganz pragmatisch norddeutsch gefragt: Heißt das, ich muss im Team-Meeting jeden Streit mit meinem Mann über unser Gartenprojekt detailliert ausbreiten?
Definitiv nicht.
Eine klare Linie
Wir sind keine Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren. Wir bringen uns als ganze Menschen mit zur Arbeit. Dennoch lohnt es sich, eine klare Linie zu ziehen:
Professionelle Distanz. Schlechte Laune wegen eines morgendlichen Streits am Frühstückstisch kläre ich mit mir selbst. Mein Team ist nicht mein Blitzableiter.
Menschliche Nähe. Wenn das Leben richtig zuschlägt — ein Trauerfall oder eine schwere Krankheit im engsten Umfeld —, muss niemand die unerschütterliche Führungskraft spielen.
Eine Gratwanderung
Die Realität ist: Dieser Sweet Spot zwischen professioneller Vorbildfunktion und menschlicher Nahbarkeit ist eine hochindividuelle Gratwanderung.
Auch bei Entscheidungen, die wir vertreten müssen, obwohl wir nicht voll dahinterstehen. Sagen wir die Wahrheit? Oder wahren wir die Funktion?
Ich habe für mich gemerkt: Ich bin heute als Führungskraft genauso nahbar wie früher, aber ich überlege genauer, was ich teile. Ich habe ein fantastisches Team und teile gerne — aber mit dem Bewusstsein, dass Offenheit nicht bei jedem gleich gut ankommt.
Und das ist völlig in Ordnung. Man muss und kann es nicht allen recht machen.
Und du?
Teilst du als Führungskraft nur noch das, was strategisch klug ist — oder das, was dich in dem Moment wirklich als Mensch beschäftigt?