Hand aufs Herz: Eigene Fehler fühlen sich verdammt unangenehm an. Niemand von uns scheitert gerne. Wenn etwas schiefgeht, rebelliert das Ego.

Auch ich ertappe mich dabei, wie mein allererster Impuls manchmal ist, in die Defensive zu gehen oder nach Ausreden zu suchen — einfach, um das Bild der „kompetenten Kollegin/Führungskraft" zu schützen.

Aber eine echte Fehlerkultur beginnt genau da: nicht bei den Prozessen, sondern bei dieser inneren Haltung.

Persönlich wertschätzen, direkt herausfordern

Wenn ich für mich selbst den Anspruch habe, zu lernen und beim nächsten Mal zu fragen „Wie kann ich es besser machen?", dann muss genau diese Haltung auch für mein Team gelten.

Das bedeutet eben nicht, Fehler totzuschweigen oder unkommentiert zu lassen. Ganz im Gegenteil. Ganz nach Kim Scotts Konzept von Radical Candor bedeutet es: persönlich wertschätzen, aber in der Sache direkt herausfordern.

Wir müssen Fehler offen ansprechen und verstehen, was dahintersteckt — aber eben ohne sie sofort emotional abzuwerten. Weg von der Schuldfrage, hin zur Neugier.

Das Gegenteil von richtig ist nicht falsch

Denn was ist eigentlich „falsch"? Oft ist es nur unsere subjektive Wahrnehmung. Wir bewerten Dinge aus unserer eigenen Komfortzone heraus.

Dabei gilt gerade im New-Work-Kontext: Das Gegenteil von richtig ist nicht falsch, sondern anders. Andere Wege führen zu anderen, oft viel innovativeren Ergebnissen.

Eine emotionale Gratwanderung

Aber machen wir uns nichts vor: Eine gesunde Fehlerkultur bedeutet eben nicht, dass Fehler egal sind oder Nachlässigkeit gefeiert wird. Der Qualitätsanspruch bleibt hoch. Es bedeutet schlichtweg:

Die Geschwindigkeit des Lernens muss höher sein als die Angst vor dem Scheitern.

Wenn wir angstfreie Räume wollen, müssen wir den Trigger aushalten. Verletzlichkeit zeigen. Einfach mal zugeben, wenn wir selbst einen falschen Weg eingeschlagen haben, und den Fokus sofort auf die gemeinsame Lösung richten.

Wer Systemen und Menschen keine Zeit für Veränderung einräumt, darf sich am Ende nicht über die Fehlerhaftigkeit der Ergebnisse wundern. Es beginnt bei uns selbst.

Lese-Empfehlung: Radical Candor von Kim Scott. Für mich der beste Leitfaden, wie man radikal offen in der Sache anspricht, was schiefgelaufen ist, und gleichzeitig maximale menschliche Wertschätzung zeigt.

Und du?

Wie schaffst du den Spagat zwischen „direkt ansprechen" und „nicht abwerten"? Rutscht man da im Alltag doch schneller in die Vorwurfshaltung, als man möchte?

  • Fehlerkultur
  • Radical Candor
  • Haltung